“Ich höre kein Mainstream.”

Nicht sehr selten bekomme ich diesen Satz von meinen Freunden zu hören. Erst am Wochenende musste ich mir wieder Sätze wie diesen und deren noch schwachsinnigeren Ausführungen in einer Diskussion ohne erkennbaren Hintergrund anhören.
Es ging oder geht – um das Thema etwas zu verallgemeinern – (immer) mit der Aussage los, dass “Mainstream Musik” scheiße ist, weil sie von der großen Masse, also dem Mainstream, gehört wird. – Wenn ich sowas höre, weine ich innerlich erst mal und frage mich dann, ob eine derartige Diskussion überhaupt Sinn macht. Meistens kann ich mir die Frage aber erst zu spät beantworten, was dazu führt, dass es grundsätzlich zu einer Diskussion kommt.

 

“Ich hasse es, dass jetzt alle House hören.”
“Die hören das auch nur, weil das jetzt alle hören.”
“Boah ey, der ist scheiße, der hat viel zu viel Erfolg.”
“Viel zu kommerz, digga.”
“Ne das hör ich nicht gern, das war schonmal in den Charts.”


Ich verstehe Leute nicht, die ihren Musikgeschmack davon abhängig machen, was die Masse macht. Es gibt die Leute, die die Musik hören, weil sie ihnen gefällt, die, die es hören weil andere es hören & die, die es nicht hören, weil die Masse es hört bzw. sich auf die Musik beschränkt, die – zumindest laut ihnen – nur sie und andere hippe Hippster kennen. Leute aus der letzten Kategorie sind für mich eindeutig die schlimmsten der drei.
Besagte Leute machen ihre aktuelle “Größerdrei-Wiedergabeliste” in iTunes also davon abhängig, was die Masse nicht hört. Sobald sich das ändert, wird die Musik nicht mehr gehört und abgrundtief gehasst. Inklusive deren neuen Hörer. Mit der Begründung, dass das jetzt von allen gehört wird und doch nicht mehr so cool ist, wie vorher, als sie die “Entdecker” des Künstlers oder manchmal auch eines ganzen Genres waren. Häufig werden dann auch die Leute, die neu zu dieser Musik gefunden haben, als Mainstreamhörer abgestempelt. Denn sie waren ja schließlich später da und haben nicht das Recht Musik zu hören, die sie vorher noch nicht kannten und jetzt durch irgendwen und irgendwas kennen gelernt haben. – Eine durch und durch schwachsinnige Bildung eines eigenen Geschmacks.

Sollte es einem Hörer nicht vollkommen egal sein, wer oder was auf die Musik abfährt, solange man selber Gefallen daran findet? Sollte es nicht so sein, dass jeder das hört, worauf er Lust hat und sich die Leute nicht für andere darum kümmern, herauszufinden warum das so ist, um es anschließend zu beurteilen?

Noch viel lustiger ist aber, das diese Leute nicht selber erkennen, dass sie sich in ihrer Meinung komplett selber widersprechen. Selbst wenn es ihnen Schritt für Schritt vor Augen geführt wird. –  Leute, die ihre Musik nach den Chartplatzierungen wählen, mögen vielleicht scheiße sein, doch ist es nicht genauso “Mainstream” dem zu folgen, was der Mainstream nicht hört? Doch, ich denke schon. Man könnte es als eine Art Gegenstrom bezeichnen, der sich nur darum kümmert die neusten und unbekanntesten Dinge zu kennen, um sich in irgendeiner Form von den anderen abzuheben. Klar, das macht jeder irgendwie gern, aber doch nicht so. Da es davon recht viele gibt und immer mehr Leute meinen bestimmte Genres als eine Art “Eigentum” zu sehen, trifft es das mit dem Gegenstrom doch eigentlich ganz gut.

Abgesehen von dem Künstler selber sollte es uns vollkommen egal sein welche Altersgruppen, welche Religionen, welche Mengen oder welche Tiere die Musik geil finden. Denn was ändert das denn am eigenen Geschmack? – Wenn es der eigene Geschmack ist, dann exactamente nichts. Leider nicht bei allen. Entweder man hört Musik, weil man sie gut findet, weil sie halt gut ist, oder man hört sie, weil man sie gut finden, weil sie keiner kennt. Letzteres ist sehr traurig und zeugt nur davon, dass die Menschen ihre Meinungen immer öfter durch die Einflüsse der Allgemeinheit bilden.

Jeder der jetzt – am Ende des Artikels – das Bedürfnis hat mich verbal und körperlich zu zerquetschen, oder sich zumindest angesprochen fühlt, tut mir sehr Lei.., oh schaut mal, es schneit..! In diesem Sinne – einen Tag noch. <2