Los Angeles

Endlich bekam ich dann auch mal Ferien. Eine Woche ist jetzt zwar keine Ewigkeit, aber auch besser als nichts. Insbesondere, wenn es davon 5 Tage nach Los Angeles geht.

Dienstags Abends ging es mit Gastmutter & Gastbruder an den Flughafen. Von Columbus, Ohio nach Los Angeles, California ist man dann schon etwas länger unterwegs. Deshalb entschlossen wir uns die Nacht zu nutzen, um mehr Zeit in Kalifornien verbringen zu können. Dabei kam uns die Zeitverschiebung von -3 Stunden ganz gut zur Hilfe. Von Columbus ging es nach Dullis und von dort nach Los Angeles. Alles lief problemlos und ohne viel Stress. Aber Meine Güte, was zur Hölle passiert mit mir in Flugzeugen? Ich weiß nicht ganz sicher warum, aber Fliegen macht mich neuerdings melancholisch. Ich fange an, über die schlimmsten Dinge nachzudenken und mir Sorgen darüber zu machen, was ich in meiner Zukunft mache. (Ausschnitt aus einer 2 von 8 Stunden Denkzeit) Früher liebte ich Flughäfen. Fliegen bedeutete nämlich Sommerurlaub. Ganz egal wohin genau, es ging mit der Familie an den Strand. Sandburgen bauen, den ganzen Tag essen können & gegen die Wellen kämpfen. Ich nehmen an diese Verbindung zu Flughäfen änderte sich im Januar bei meiner Abreise. Ich berichtete hier ja schon, dass das nicht gerade das schönste Erlebnis für mich war, Familie, Freunde & Freundin ein halbes Jahr nicht sehen zu können. Darüber wurde im Flugzeug, das zur anderen Seite der Welt flog, natürlich viel nachgedacht. An einem Fensterplatz. Fast wie im Film. Zumindest fühlte ich mich so. Schade eigentlich, dass die schöne Verbindung zu Flughäfen mit einer Traurigen ausgetauscht wurde. 7 Stunden über Dinge nachzudenken, die ungewiss sind und die man sowieso nur bedingt beeinflussen kann, ist dann doch etwas viel an einem Tag.

Nach insgesamt 8 Stunden standen wir dann auch endlich am Flughafen in Los Angeles (12:30am). Im Regen. Nicht gerade der kalifornischste Empfang. Regen ist sowieso immer zum falschen Zeitpunkt da. Am langweiligsten Wochenende im Monat scheint die Sonne & im Urlaub in L.A. regnet es. So ist das eben. Manchmal glaube ich wirklich, dass das jemand von oben steuert, um uns Dinge gezielt zu versauen.

Nachdem wir den Mietwagen abgeholt hatten, ging es zum Hotel. Nichts besonderes. Nutzten wir eh nur zum Schlafen, also wieso mehr Geld ausgeben als nötig. Es war sauber & sogar ganz gemütlich. Auf Grund meiner tollen Gedanken im Flugzeug war Schlafen – selbst am Fensterplatz – nicht wirklich drin. Daher wurde das dann direkt nachgeholt.

Am 1. Tag entschlossen wir uns erst Mal nach Hollywood zu fahren, um dort Tickets für ein Sightseeing-Bus zu ordern, um möglichst viel von der netten Gegend sehen zu können. Die Wetteransage versprach 100% Regen den kompletten Tag über. Nicht besonders toll. Ja, dachte ich auch, aber ihr wisst ja, dass 120% der Bevölkerung keine Ahnung von Prozentrechnung hat und diese Aussage damit nicht zwingend aussagekräftig ist. (Ich würde es an diesem Punkt vollkommen verstehen, wenn sie auf Grund dieses miesen Witzes aufhören würden zu lesen, würde sie aber trotzdem bitten dabei zu bleiben.) In anderen Worten: Es schien den ganzen Tag mehr oder weniger die Sonne, auch wenn selbige nicht besonders warm war. In Hollywood angekommen machten wir uns dann auf die Suche nach der Bustour. Auf dem Weg dahin wanderten wir über den ‘Walk of Fame’. Ein durch Hollywood führender Bürgersteig mit eingravierten Sternen für Film- & Musikstars. Hollywood eben. Für mich völlig uninteressant, weil mich das private Leben der Schauspieler & Stars so viel interessiert, wie Weltuntergangsverschwörungen der Maya. Aber was solls, andere Menschen können ja die Sterne & die vielen Handabdrücke fotografieren, wenn es sie glücklich macht.
Dann endlich saßen wir auch im Bus oder besser gesagt auf dem Bus. Dieser führte uns durch Hollywood, Beverly Hills & Santa Monica. Hierbei war es möglich an bestimmten Orten auszusteigen, um sich die Dinge genauer ansehen zu können, und später wieder mit dem Bus weiterzufahren. Das war tatsächlich sehr praktisch, da man ganz für sich entscheiden konnte, was man genauer sehen wollte und wo es ausreichte, nur dran vorbei zu fahren. Das Zentrum von Hollywood selber ist dabei nicht besonders sehenswürdig – abgesehen von dem erwähnten ‘Walk of Fame’, da sich hier fast ausschließlich Touristen aufhalten, die entweder Sterne & Handabdrücke fotografieren oder Essen zu sich nehmen. Gut, dass das nicht alles ist, was Hollywood zu bieten hat. Ein kleines bisschen weiter “draußen” sah die Welt nämlich schon ganz anders aus. Schöne Joggerinnen, schöne Autos & schöne Häuser. Außerdem interessant gewölbte Straßen und viele verschiedene Arten von Clubs & Bars. Dazwischen Palmen, Berge mit Luxusvillen & noch mehr Joggerinnen.
Auch die bekannte Beverly Hills Gegend gefiel uns gut. Viel grün & viel Luxus. Gute Kombination. Danach ging es dann nach Santa Monica. Ein toller Stadtteil nahe der Küste mit tollen Häusern & schönen Autos. (Die schönen Frauen laufen da überall rum, daher erwähne ich sie jetzt nur noch in jedem 2. Satz.) Wir stiegen dort natürlich aus, um zum ‘Santa Monica Pier’ zu gehen. Grandiose Aussicht auf das weite Meer und ein toller Strand mit Bergen im Hintergrund. In diese Mischung verliebte ich mich sofort. Weil es uns dort so gut gefiel, wanderten wir noch ein bisschen im Sand und aßen danach passend Fisch in einem ‘Bubba Gump’ Restaurant mit Meerblick. Den Abend des ersten Tages verbrachten wir in einer sehr außergewöhnlich-schicken Einkaufsstraße. Dort verbrachte ich meine Zeit auf einer Büchereitoilette, da mein iPhone Akku leer war & ich das Verlangen nach Musik hatte. Da ich auf der Toilette ja nichts anderes zu tun hatte, als an der Steckdose zu stehen und betretenden & verlassenden Menschen ‘Hallo’ und wieder ‘Tschüss’ zu sagen, zählte ich wie viele Menschen sich die Hände waschen, bevor sie diesen wunderbaren Ort verlassen. Hat mich schon immer Mal interessiert wie vielen Menschen wir das Geschlechtsteil schütteln, wenn wir ihnen die Hand geben. Das Ergebnis war erstaunlich gut. – 3 von 14. Was ihr damit jetzt macht, könnt ihr euch selbst aussuchen. Danach ging es zu Fuß durch Hollywood zurück zum Auto und dann zum Hotel.

Der 2. Tag war für mich der am wenigsten interessante Tag des Trips. Es war wie am Vortag sonnig, aber nicht besonders warm. Wir trafen einen Freund (ebenfalls Austauschschüler aus Deutschland) aus Columbus mit seinem Gastvater, um dann gemeinsam 77$ für die ‘Universal Studios’ in Hollywood auszugeben. Ein Freizeitpark mit vielen Liveshows, einigen animierten Achterbahnen und teurem Essen. Auch wenn die Live Shows lustig & nett gestaltet waren, und sich die animierten Achterbahnen sogar als ganz cool herausstellten, war die Menge Geld eindeutig zu viel. Das Interessanteste war dabei die Tour durch die Universal-Sets. Der Ort, wo Filme & Fernsehserien vor kreierten Filmsets gedreht werden. Toll war, dass man viele Sets aus Filmen wiedererkannte und einen tollen Blick hinter einige Techniken bekam. Das Highlight der Studio-Tour war dann die kleine 360° 3D King Kong Sequenz. Fantastische Technik & hoffentlich irgendwann in unseren Wohnzimmern. Will auch mal im Jungle neben King Kong stehen. Auf die Sabber kann ich aber verzichten.
Ansonsten war der Park – zumindest für mich – nicht so das Wahre. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich bei ‘Freizeitpark für 77$’ gigantische Achterbahnen erwarte. Für Familien mit kleineren Kindern (∼ jünger als 14) ist er aber dennoch wärmsten zu empfehlen, solange man nicht erwartet, in einen Achterbahn-Freizeitspark zu gehen.
Der Abend wurde dafür dann aber umso besser. Wir aßen auf Empfehlung eines Freundes hier, wo ich den besten Burger dieses Planeten aß.

Am 3. Tag ging es dann zusammen zum ‘Griffith Observatory’, von wo wir vor hatten das Hollywood Zeichen & die Stadt im Überblick zu sehen. Daraus wurde leider nur bedingt etwas. Denn es regnete und die Wolken hingen tief. Damit wären wir dann wieder bei dem Gedanken, dass das jemand mit voller Absicht macht.
Nach einer halben Stunde konnte man dann zumindest das Hollywood Zeichen einigermaßen deutlich erkennen, nachdem wir 30 Minuten ganz viel tolle Bilder von OLLY-, LLY- & LY-WOOD machten. Ein paar Fotos sind es dann aber doch noch geworden. (Ja, ich fotografiere Schilder in Bergen, und finde Straßenwidmungen von Stars unnötig.)
Nachdem die Freunde am Flughafen abgesetzt wurden, meinte der Regen, er müsse noch eins drauf legen. Daher gingen wir erst Mal den Frust in einem All-You-Can-Eat Resteraunt wegessen. Der Regen kreuzte unsere Pläne etwas, daher besuchten wir ein Automuseum, das sich als sehr Interessant herausstellte  & auf dringenden Wunsch meines brasilianischen Bruders, Madame Tussaud’s. Stars, die mich in echt schon nicht interessieren, solang ich sie nicht auf der Leinwand sehe, werden in Wachs nicht besonders spannender, aber man tut ja was man kann für die Familie. Außerdem hab ich ja immer Geld zu viel, dass ich für Fotos mit Wachsfiguren ausgeben kann. Zum Abschluss ging es dann noch Kart fahren. Sagenhafte Idee meinerseits. Genauso genial wie Idee, waren auch meine Fahrkünste, aber ich höre jetzt auf, selbstverliebt mit mir selbst zu prahlen.

Für unsere Pläne am letzten Tag, war Sonne zwingend notwendig. Ausnahmsweise hat das niemand mitbekommen, von daher war es in der Tat sonnig und zumindest nicht kalt. Es ging nämlich nach Malibu. Ach wie schön es dort ist. Abgesehen von den schönen Frauen, Autos & Häusern, gefielen mir die Straßen, die direkt an der kalifornischen Küste vorbeiführten und von denen man während der Fahrt aufs Meer schauen konnte. Wir hielten uns auf verschiedenen Piers auf und verbrachten eine lange Zeit mit Aufs Meer schauen und die Haare wehen lassen. So wie im Film eben. Tolle Minuten. Ich vergaß leider meine Badehose, um ins Wasser zu springen, was ich sehr traurig fand, da es mir sogar egal gewesen wäre, am Kältetot zu sterben, wenn ich doch hätte reinspringen können. Wäre dann in Malibu gestorben. Fände dann dabei zumindest die äußerlichen Umstände gut. Ging dann aber ja doch nicht, daher ging es an den naheliegenden Strand, wo ich mit Lucas erst Mal einige Kilometer am Strand zurücklegte. Außerdem drehten wir ein Freestyle-Rap Video auf Englisch von mir, das aber traurigerweise verschwunden ist. (Um nicht zu sagen, er ist zu blöd zum Filmen.) So schnell kann man seine Starkarriere in die Tonne treten. Würde vermutlich heute noch am Strand sitzen und Cocktails trinken, während vor mir Beachvolleyball gespielt wird. Traurige Geschichte.
Rappen macht müde, daher aßen wir erstmal, um danach nach L.A. Downtown zu fahren. Ein tolles Viertel, dachte ich. Zu Beginn wurde mir auch nicht das Gegenteil bewiesen. Schicke Wolkenkratzer, riesige Theater & andere Kulturstätte ließen alles sehr sauber und luxuriös wirken. Außerdem gab es fast keinen Verkehr, wofür vermutlich der Samstag verantwortlich war. Leider änderte sich dieses Bild beim Gelangen ins Zentrum. Die Stadt war von Meter zu Meter gefüllter mit schmutzigen ausländischen-1$-Shops und heruntergekommenen Wohnungen. Alles war schmutzig, hektisch & total ungemütlich. Das totale Gegenteil zum Anfang der Stadt. Ich mag Stadtteile wie diese verständlicher Weise sowieso nicht. Die Gefühle bewegen sich irgendwo zwischen Ekel & Mitleid. Der krasse Kontrast zum reich-wirkendenen “Vorstadt-Downtown” verstärkte dieses Gefühl dann nochmal. Der Weg raus aus diesen Vierteln fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit, was wie gesagt nicht so schöne Gefühle aufbrachte. Aber vielleicht ist es auch nicht ganz so schlecht, mal zu sehen unter welchen Umständen andere Menschen leben müssen, auch wenn man sich dabei nicht all zu wohl fühlt.
Etwas widersprechend zu diesem Statement ging es danach wieder zu der Einkaufsstraße. Diesmal aber nicht um Toiletten-Statistiken aufzustellen, sondern nur, weil wir sonst nichts mehr vor hatten und uns dieser Ort sehr gefiel. Weil das Kartfahren so viel Spaß machte & ich so gut war, entschlossen wir uns am Abend nochmal eine Weile in Karts herumzufahren. Ich gewann wieder & konnte stolz schlafen gehen.

Naja, das wars dann leider auch schon wieder. Springbreak und – noch viel schlimmer – der L.A. Trip war vorbei. Ach ne, wir müssen ja auch noch zurück. Aber das passt schon. Ist ja nur einmal quer von West nach Ost mit 3 verschiedenen Flughäfen und 4 verschiedenen Zeitzonen. Außerdem kommen wir ja schon um 1 Uhr in der Nacht zu Hause an und am nächsten Tag ist Schule. Zudem denke ich in Flugzeugen neuerdings immer über die tollsten Dinge nach.
So gestaltete sich der Sonntag. Solang man dabei die zurückliegende Zeit in Erinnerung hatte, lies sich dann auch das ertragen.

 

Nach genau 1965 Wörtern fragt ihr euch sicher, was ich denn jetzt von Los Angeles so halte. – Kurz gesagt: Ich liebe Los Angeles. Diese Mischung aus Gebirge, Strand + Meer & Großstadt gefällt mir so gut, dass ich – zumindest ohne Familie – dort gerne leben würde. Es ist großteils sauber, das Wetter ist gut (solang man nicht mit mir in den Urlaub fährt. Dann hat man nämlich immer schlechtes Wetter, da man mich da oben aus irgendwelchen Gründen nicht mag.) & vor alles lässt sich das Wort ‘schön’ davorstellen. Schöne Häuser, schöne, Autos, schöne Frauen, schönes Wetter,.. . Okay das dürfte reichen. Nicht gefallen hat mir das untypisch schlechte Wetter, L.A. Downtown & die Tatsache, dass ich 77$ für einen Freizeitpark ausgegeben habe, bei dem mir danach nicht schlecht war.
Insgesamt waren es 5 tolle Tage in Kalifornien, die ich nie vergessen werde.

Für einige Eindrücke könnt ihr hier mal reinschauen.