I’m back.

Hier bin ich wieder. Aus persönlichen Gründen und Faulheit gab es ja hier schon länger nichts mehr zu lesen, obwohl ich ja schon seit Mitte Juni wieder in Deutschland bin. Extrem traurig. – Ich weiß. Ich hätte mir generell gewünscht, mehr Artikel über meine Zeit im Ausland zu schreiben, aber irgendwie ist das schwieriger als man glaubt. Man erlebt so viel jeden Tag, man sieht so viel neues, ungewohntes, & interessantes, dass sich das für mich nie einfach in Worte oder besser gesagt in einen zusammenhängenden Text fassen ließ.
Auch im Nachhinein finde ich das nicht gerade leicht. Wo soll ich anfangen? Man hat so viel Erlebnisse im Kopf, dass man sich nicht entscheiden kann, wo man beginnt und wo man aufhört. Das ist so, als säße ich in einem riesigen Nike Sneaker Store und ich müsste mich für einen Schuh entscheiden. Fast unmöglich. Trotzdem würde ich gerne über meine Zeit berichten und dabei eigentlich auch nichts auslassen. So sind Perfektionisten eben. Ereignis für Ereignis zu rekonstruieren, um sie anschließend in richtiger Reihenfolge hier in den Blog zu schreiben, hielt ich irgendwie für nicht so sinnvoll, da man zwar die Erinnerungen an die einzelnen Erlebnisse hat, aber man die dazugehörigen Emotionen viel schlechter vermitteln kann, als unmittelbar nach dem Ereignis. Daher werde ich jetzt einfach nieder schreiben, was sich in meinem Kopf befindet und anschließend eventuell bestimmten Ereignissen eigene Artikel gönnen.

 

… Nachdem ich nach einem emotionalen, langen Flug endlich in Columbus landete, war es geschafft. Kein Flugzeugabsturz. Kein Zusammenbruch. Zwar verschwitzt, scheißmüde & aussehend wie der letzte Penner, aber angekommen. Es war also soweit. Ich sollte die Menschen kennen lernen, mit denen ich das nächste halbe Jahr unter einem Dach leben werde. Vorfreude & Angst pur. Auf dem Weg in die Empfangshalle einen Puls von 200. Zum Glück war es auf Grund meiner unmenschlichen Ankunftszeit und der Größe des Flughafens nicht all zu voll im Flughafen. Trotzdem musterte ich auf dem Weg zum Gepäckband jeden, der dort zu sehen war bis ich von 15 Leuten und einem Schild mit meinem Namen drauf herzlich empfangen wurde. Meine Gastmutter war schnell erkannt und wahrgenommen. Mit den restlichen 14 Personen konnte ich erst mal nichts weiter anfangen. Nach dem langen Flug war ich in der Tat ziemlich überfordert. Es hieß ich sollte bei einer Single-Frau leben und einen Gastbruder aus Brasilien haben. Dementsprechend erwartete ich auch nur 2 Personen am Flughafen. 15 waren dann doch ein paar mehr. Unter diesen 15 waren 6 andere Austauschschüler in ungefähr meinem Alter, die mich ebenfalls nett begrüßten. Problem war, dass ich nicht wusste wer dieser 6, Lucas, mein Gastbruder, sein sollte. Im Nachhinein frage ich mich zwar wie ich ihn als halben Asiaten nicht von den anderen unterscheiden konnte (no offense) und ihn somit nicht als mein Gastbruder identifizieren konnte, aber ich bekam es halt erst mal nicht auf die Reihe, auch wenn er mir seinen Namen bestimmt verriet. Auf dem Weg zum Auto wurde es dann aber doch eindeutig. Tolle Ankunft und noch tollere Menschen, die mich da begrüßten, dachte ich mir. Im Jeep ging es dann vom Flughafen auf die Autobahn. Die ersten Worte Englisch waren zwar die Schlimmsten, die ich jemals mit meinem Mund produziert habe, aber man möge es mir nach 0 Stunden Schlaf, Zeitverschiebung & Emotionsüberflutungen verzeihen. Es reichte allerdings grade noch, um meiner Gastmutter mitzuteilen, dass ich Hunger habe. Danach ging es erst mal zu guten Freunden meiner Gastmutter, wo wir selbst gemachte Burger aßen und uns ein wenig kennen lernten. Spätestens da wusste ich, dass ich in Amerika angekommen war. Endlich ging es dann nach Hause. Nach Hause? Normalerweise weiß man doch, wie sein zu Hause aussieht, oder? – Aufregung pur die Zweite. Es ging schließlich um das Haus, in dem ich das nächste halbe Jahr leben sollte. Wo ich mich wohl füllen sollte und so. Dies fiel mir im Nachhinein betrachtet nicht besonders schwer. Das Haus war fast so toll, wie die Menschen, die mich so nett empfangen hatten. Dementsprechend fühlte ich mich sehr schnell willkommen und alles fing irgendwie perfekt an. Danach hieß es dann erst mal Schlaf nachholen. Viel Schlaf.

Die Schule hatte zu diesem Zeitpunkt zwar schon begonnen, aber weder Ich noch Lucas waren bereits angemeldet. Das bedeutete wir hatten erst mal eine Woche frei, während meine Gastmutter arbeiten musste. So konnten wir die ersten Tage dazu nutzen, uns & die amerikanischen Fernsehsender etwas kennen zu lernen.
Die Woche drauf ging es dann das erste Mal in die Schule. Vorerst nur, um uns anzumelden und um unsere Fächer zu wählen. Außerdem mussten wir zum Arzt, um uns auf Krankheiten testen zu lassen, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Am 2. Tag ging es dann mit den typischen gelben Bussen zur Schule. Der erste Schultag war aufregend und gleichzeitig ungewöhnlich, aber ich kam besser zu Recht als ich vorerst dachte. In der Lunch-Pause lernte ich dann das erste Mal die anderen Austauschschüler aus den verschiedensten Ländern kennen, von denen sich später die meisten als sehr gute Freunde herausstellten. Außerdem lernte ich meinen zukünftig besten amerikanischen Freund kennen, der von dort an fast jedes Wochenende bei oder mit uns verbrachte. Dadurch, dass es so viele Austauschschüler auf unserer Schule gab und wir alle (zusammen mit ein paar Amis) an einem Lunch-Tisch saßen, fiel es keinem wirklich schwer Kontakte zu knüpfen. Zum Schulleben an sich, verfasste ich ja bereits einen Artikel.

Die nächsten Wochen waren aufregend und sehr entspannt. Wir lernten uns alle untereinander kennen und verbrachten die ersten Wochenenden miteinander, von denen noch viele folgen sollten. Ende Februar stand dann schon das erste Reiseziel an. Es ging über ein verlängertes Wochenende mit allen Austauschschülern & Mekye (bester Freund) nach Chicago. Es war zwar scheiße kalt, aber wir hatten ein geiles Wochenende in einer geilen Stadt. Das Hotel war super und auch sonst hat alles gepasst. Außerdem gab ich 35$ für ein Steak aus, das so groß war, dass ich 5 davon hätte essen können. Wieder zurück, wurde erst mal eine gebrauchte Xbox und Fifa12 gekauft, mit der in der Zukunft noch viel Zeit verstrichen werden konnte. Zudem meldetet ich mich im Fitnessstudio um die Ecke an, das ich von dort an vier Mal wöchentlich besuchte. Durch Billy, meinem Trainer, hatten wir außerdem endlich wieder die Möglichkeit Fußball zu spielen. Von dort an konnten Lucas & Ich nämlich jeden Samstag mit stark-spielenden Erwachsenen auf einem Rasenplatz kicken.

Im April, in den Springbreakferien, ging es dann nach Los Angeles, wie hier schon ausführlich von mir berichtet. Ansonsten hatte seit meiner Ankunft jedes Wochenende irgendwer Geburtstag oder aus anderen Gründen eine Party, die gelegentlich auch in unserem Haus stattfanden, auch wenn wir eigentlich Gäste und nicht Gastgeber waren. Auch ansonsten waren immer alle bei uns. Es vergingen reichlich wenige Wochenenden, an denen keiner bei uns übernachtete. Meistens waren es mindestens drei.

Im Mai machten wir die ersten Pläne für die verbleibenden Wochen und die ersten Summerbreaktage im Juni, die ich noch in Amerika verbringen durfte bis ich Columbus dann verlassen musste. Es ging in den besten Freizeitpark Amerikas namens ‘Cedar Point’, den ich jedem nur empfehlen kann. Außerdem hatten wir von dort an 23748 Abschlussabende zusammen, die dementsprechend auch so gefeiert wurden.
In den kommenden Wochen ging es dann gefühlte 500 Mal an den Flughafen um Freunde zu verabschieden, deren Zeit schon rum war. Ich hatte zum Glück noch 1 bis 2 Wochen länger als die meisten, aber auch für mich hieß es dann bald Abschied nehmen. Der Abschied war kurz gesagt grauenhaft und ziemlich beschissen. Lucas wurde für mich in der Zeit zu einem echter Bruder & auch all die anderen Menschen, die in dieser Zeit Teil meines Lebens wurden, sind mir natürlich extrem wichtig geworden. Demnach war es alles in allem ein ziemlich unschöner Moment, den Menschen meines “2. Lebens” Tschüss zu sagen. – Insbesondere, da ich nicht genau wusste/weiß, wann ich sie wieder sehen kann. Am Flughafen wurde dann erst mal ein bisschen rumgeweint, bis ich dann im Flieger nach New York saß, wo ich meine Mutter dann wieder sah. Dort verbrachten wir dann noch 5 sehr gelungene Tage. Auch hier die Kurzfassung: New York ist fuckin’ awesome. <3 Von dort ging es weiter nach Houston, Texas wo wir Verwandte besuchten und nochmals 5 schöne Tage hatten.

5 Tage später wurde ich dann in Frankfurt vom Rest meiner Familie empfangen. Am darauffolgenden Tag ging es dann auch schon wieder in die Schule, um Freunde & Co. endlich wiederzusehen. Den Rest der Woche blieb ich zu Hause und ruhte mich von der Zeitverschiebung aus, was im Hinblick auf die Ferien, die Freitags schon wieder begannen, ganz gut war.

 

So. Damit wäre ich dann am Ende meiner kurzgefassten Kurzfassung meines Amerikaaufenthalts. Ich könnte das hier wie gesagt auch zu einem ganzen Buch mit 900 Seiten ausbreiten, aber das ist nicht Sinn der Sache. Außerdem ist es ja meistens so; die schönsten Dinge lassen sich nicht in Worte fassen.

Was allerdings noch fehlt, ist ein Fazit zu meiner Zeit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. –

 

Die Zeit dort brachte mich enorm weiter. Nicht nur bezüglich meiner Englisch Kenntnissen oder meiner Kenntnisse bezüglich Amerika als Land, sondern auch bezüglich meiner Person. Man lernt sich anzupassen und auf eigene Wünsche & Gewohnheiten zu verzichten. Man lernt mit Menschen aus anderen Kulturen umzugehen und darüber hinaus sie als Freunde zu gewinnen. Letzteres stellt für mich das Beste der ganzen Zeit dar. Immer wieder werde ich gefragt, was für mich das beste an dem Ganzen war. – Das Beste für mich waren & sind die Menschen, die ich kennengelernt habe und die zu Freunden fürs Leben wurden. Freunde, von denen ich weiß, dass wenn ich sie in 10 Jahren wieder sehen würde, alles noch so ist wie in unserer gemeinsamen Zeit und genau das, das ist das Beste an der ganzen Zeit.
Dazu kommt natürlich die geile Zeit und die Erlebnisse an sich, die man in einem fremden Land so macht. Alles in allem kann ich sagen, dass sich die Vermutung, die ich hier aufstellte, mehr als nur bestätigte. Diese Reise anzutreten war die beste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen habe. – Demnach kann ich jedem, der die Möglichkeit hat, nur empfehlen es auch zu tun. Nutzt die Chance.
Für alle die, die sich bereits entschieden haben einen Aufenthalt im Ausland zu machen, ein kleiner Tipp: Genießt jeden Tag. Die Zeit geht schneller rum als man glaubt. Ihr seid kaum angekommen, schon steht ihr wieder mit gepacktem Koffer am Flughafen Richtung Deutschland. So ungefähr.